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Malta 2008

Einige Eindrücke von unseren Regimentsschreiber Chris diesmal in der Uniform der Royal Marines :

Wir waren der Naval Brigade zugeordnet, also den Truppen, die damals als kämpfende Besatzung auf den Schiffen der Briten Dienst taten. Wir waren drei Marine Grenadiers, sechs Royal Marines und drei Matrosen, die als Skirmishers dienten.
Rund 160 Reenactors schifften sich am Freitagmorgen nach Gozo ein, eine kleinere Insel im Nordwesten Maltas. Neben den Franzosen, bildeten die 42. Highlanders (mit zwei hervorragenden Dudelsackpfeifern), die 95. Rifles, engl. Linieninfanterie, die Naval Brigade und jede Menge maltesischer Milizionäre das brit./malt. Korps.
Untergebracht waren wir auf einer alten Zitadelle, die einen äußerst authentischen historischen Rahmen darstellte. Den Tag verbrachten wir u. a. mit Patronenfüllen und dem Vertilgen einer gigantischen gegrillten Sau!

Am Samstag gab's ein heißes Gefecht inmitten der alten engen Straßen von Victoria, der größten Stadt auf Gozo. Wir ließen uns zuvor vom malt. Feldpfarrer segnen. Das hatten wir auch bitter nötig, denn die franz. Salven flogen uns nur so um die Ohren. Dargestellt wurde die Befreiung der Zitadelle von den Franzosen (um 1802, glaube ich) und in einer feierlichen Zeremonie übergab der franz. Commandeur seinen Säbel an den Oberbefehlshaber der englischen Truppen, Sir David. Anschließend ging’s mit kleinen Booten nach Comino, eine ca. drei Quadratkilometer große Insel zwischen Gozo u. Malta. Die Kulisse dort ist einfach perfekt: karge, südeuropäische Landschaft, keine modernen Gebäude, die den historischen Blick verstellen und nur Feldwege u. kaum Autos. Untergebracht waren wir auf einem alten massiven Turm, der vor vielen hundert Jahren als Wachturm diente u. unter anderem Piraten u. anderes Volk fernhalten sollte. Leider waren die Platzverhältnisse so beengt, dass wir u. zwei Engländer auf dem Dach schliefen, was den Vorteil hatte, dass wir einen traumhaften Sternhimmel mit fantastischen Sternschnuppen als "Zimmerdecke" hatten.

Weil nachts mit einem Angriff der Franzosen gerechnet wurde, standen wir abwechselnd Wache, aber alles blieb ruhig.

Sonntags dann ging’s in aller Frühe los, um den Franzacken endgültig Saures zu geben. Und nach einigen Umgehungsmanövern mitten durch Geröll und über Hecken hinweg hatten wir sie endlich vor den Musketen. Abwechselnd mit der englischen Linieninfanterie brannten wir ihnen eine Salve nach der anderen entgegen, bis sie endlich den Rückzug antraten. Die Naval Brigade marschierte anschließend zur Bastion, dem Lager der Franzosen, das nur noch von zwei norwegischen Soldaten gehalten wurde.Angesichts der Übermacht ergaben sich die Norweger nach wenigen Schüssen und wir rasteten kurz im Schatten der mächtigen Geschütze, die dort immer noch stehen.

Zur Bewachung wurde "Big Paul" abkommandiert, ein ca. 1,95 Meter großer und ca. 150 Kilo schwerer Royal Marine, der den einzigen Zugang zur Bastion, ein Durchgang im Mauerwerk, mit seinen Körpermaßen komplett ausfüllte. So ging uns auch ein Franzose ins Netz, der gerade einen Sack Schwarzpulver für seine Kameraden holen wollte. Mit unseren drei Gefangenen u. dem Pulver machten wir uns schließlich bei großer Hitze und extremer Luftfeuchtigkeit zurück auf den Weg zum Turm. Der Marsch hatte es in sich: Weil wir etwas in Rückstand geraten waren, wurde das Tempo erhöht und ich hatte zusätzlich noch die Muskete eines Norwegers zu tragen, uff! Wie zum Hohn funkelte am Horizont die blaue Lagune, eine Meeresbucht mit traumhaftem, türkisfarbenem Wasser, in der sich zahlreiche Badende und Boote tummelten. Leider blieb für Strandvergnügen keine Zeit, denn nachdem wir am Turm angekommen waren, ging’s nach kurzer Rast schließlich zur Anlegestelle, von wo aus wir per Boot wieder nach Malta gebracht wurden.
Zum Abschluss bekamen wir und anderen Teilnehmer aus der Hand eines englischen Majors ein Malteser-Kreuz am roten Band zur Erinnerung verliehen: Mein erster Orden, ha!

Fazit: es war eine unvergessliche Veranstaltung in traumhafter Umgebung und vor historischen Kulissen. Und es war mir eine Ehre, den roten Rock getragen haben zu dürfen.

Ach ja: Und etwas Urlaub haben wir anschließend auch noch gemacht...

 

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Letzte Aktualisierung: 17.03.2011