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Andere Darstellungen / Epochen

800 Jahre Dresden

800 Jahre Dresden - beinahe ebenso lange brauchten die Fuhrwerke des k. k. Infanterie-Regimentes Nr. 56 Wenzel Graf Colloredo, um in die altehrwürdige Metropole an der Elbe zu reisen. Kein Weg war den Grenadieren zu weit - aus Wien und Bayern waren sie gekommen, um das Jubiläum zu feiern.

Dabei nahm das IR 56 eine eher unrühmliche Rolle ein. Im Jahre 1809, so die Legende, hat die wackere Dresdner Bürgerwehr einen Trupp der sonst so gefürchteten österreichischen Grenadiere in Gewahrsam genommen - und unter dem Jubel der Bevölkerung durch die Elbmetropole in die Gefangenschaft eskortiert. Diese Episode galt es nun anlässlich des runden Geburtstages der großen alten Dame Dresden nachzustellen - unter der Regie eines ansässigen Schützenvereines, der das Andenken an die Bürgerwehr wach hält.

Weit weniger martialisch war der Empfang knapp 200 Jahre später. Äußerst herzlich wurde das IR 56 von den Sachsen empfangen und noch spät in der Nacht verköstigt.

Das Quartier bildete ein ehemaliges Wohnheim der NVA, das zu DDR-Zeiten allerdings den Offizieren vorbehalten war: Blitzsauber, gemischt mit nostalgischem Ost-Schick!

Galt der Samstag noch dem Sight-Seeing, stand anderntags Drill auf dem Programm - auch als Gefangene, insbesondere als Grenadiere, galt es Disziplin und Haltung zu zeigen. Verstärkt wurde das IR 56 von Mitgliedern einer sächsischen Gruppe und von zwei Soldaten des "geschätzten Feindes". Zwei Männer der legendären 9iéme Leichten Infanterie vertauschten den blauen mit dem kaiserlich weißen Rock. Mit dem Drill hatten beide "Franzosen" keine Probleme, zählt doch, was Disziplin anbelangt, die 9ième zu den vorbildlichen Einheiten.

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In der Dresdener Maxstraße schließlich nahm man am frühen Sonntagnachmittag Aufstellung. Vor uns marschierte der "Alte Fritz" mit seinen Truppen, der die Zeit des Siebenjährigen Krieges darstellte. Die Epoche Napoleons war die Szene, in die sich die Colloredos einreihten.

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Nach einiger Wartezeit trat das IR 56 ohne Musketen mit festem Tritt seinen Marsch in die Gefangenschaft an - "bewacht" von der Bürgerwehr mit gefällten Bajonetten, beklatscht und bejubelt von vielen Tausend Schaulustigen.

In perfekter Ordnung unter dem strengen Auge unseres Majors Rabenstein durchschritten die Grenadiere teils im Geschwindschritt die Elbmetropole - erstmals hatte das IR 56 sogar einen Zimmermann in seinen Reihen rangiert, der mit seiner mächtigen Axt als einziger bewaffnet war.
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Nach gut zwei Stunden endete der Marsch nicht in einer dunklen, feuchten Festung, sondern im "Schießhaus", dem Verenslokal des gastgebenden Schützenvereines.

Dort war alles aufs Vortrefflichste vorbereitet: Typisch sächsische Küche und Getränke jeder Art standen bereit. Viele der Droschkenfahrer bedauerten hier, vom vorzüglichen sächsischen Bier Abschied nehmen zu müssen - galt es doch das Fuhrwerk viele Stunden lang nach Hause zu lenken. Nach einer sehr sympathischen Ansprache des Dresdner Vereins-Chefs wurde schließlich gegen 19 Uhr die Heimfahrt angetreten.

Fazit: Auch ohne einen Schuss im Namen des Kaisers abgegeben zu haben, bildete die "Dresdner Gefangennahme" einen Höhepunkt.
Allerdings besteht aufgrund der sächsischen Herzlichkeit die Gefahr, dass sich österreichische Grenadiere fürderhin ohne viel Gegenwehr in Gefangenschaft nehmen lassen . . .

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Letzte Aktualisierung: 17.03.2011